Seines eigenen Glücks..

Hallo Zusammen,

Aktuell kursiert erneut ein gewisser Unmut in der Tortenszene hinsichtlich der Tortenwettbewerbe und deren Struktur.
Diesen konnte ich bereits vor über einem Jahr auf der FB Seite der Cake & Bake Messe vernehmen.
Die Aussage, die hier immer wieder zu hören ist lautet wie folgt: “ Es gewinnen immer die gleichen
Leute. Wir haben überhaupt keine Chance zu gewinnen. Wir brauchen gar nicht antreten,
das demotiviert. Wir würden uns wünschen, dass es eine eigene Kategorie für nicht Profis gibt,
damit wir auch eine Chance haben.“

Wenn ich solche Aussagen lese, bin ich ehrlich gesagt ziemlich irritiert und möchte deshalb
dazu meine Gedanken nieder schreiben.

 

Wofür ist ein Wettbewerb grundsätzlich?
Ein Wettbewerb ist primär dazu da um seine eigenen Fähigkeiten und Grenzen auszutesten und im Vergleich zu anderen Teilnehmern zu sehen, wo man steht.
Nicht mehr und nicht weniger.

Gewinnen, Medaillien & Best of
Jeder Wettbewerb kürt einen Sieger. Es gibt Gold, Silber und Bronze, best of Kategorie und best of Show.
Jeder, der an einem Wettbewerb teilnimmt, hat eine gewisse Form von Ehrgeiz. Jeder möchte das bestmögliche aus sich und seinem Werk heraus holen. Und natürlich träumt man leise auch mal davon, eine Auszeichnung zu erhalten. Doch bei allem Wunschdenken muss man mit sich und seinem aktuellen Status realistisch bleiben.

Wunschdenken und Realität
Der Traum die Menschen mit seinem Werk zu begeistern und zu gewinnen ist menschlich und nachvollziehbar. Es ist ein wichtiger Wunsch denn er kann als Funken genutzt werden, um den Ehrgeiz zu wecken damit man sein Ziel erreicht.
Aber: Wunschdenken sollte immer auch ehrlich hinterfragt werden:
Was kann ich derzeit wirklich erreichen und was muss ich investieren um meinen Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen?
Und genau da sind wir an dem Punkt: Am zweiten Teil des Satzes scheitert es meiner Meinung nach.

„Wenn du ohne Medaille nichts wert bist, dann bist du auch nichts wert mit ihr“
Das sagte der Bobtrainer im Film Cool Runnings. Ein Satz, der so viel Wahres beinhaltet.
Gefühlt gehen viele falsch an die Sache heran. Zu Beginn sollte nicht der Wettbewerb, sondern die Liebe, Leidenschaft und der Ehrgeiz sich weiter zu entwickeln im Fokus stehen. Das heißt für sich zu Hause oder in Kursen an seinen Fähigkeiten arbeiten und das Hobby mit Liebe und Leidenschaft leben.
Erst wenn an diesen Status erreicht hat ist meiner Ansicht nach sinnvoll, den nächsten Schritt zum Wettbewerb einzuschlagen.

Der lange und oft unterschätzte Weg
Wie so oft schaut man primär auf das Ergebnis und würde nur zu gern auch so gut sein. Dieser Gedanke ist weder Neid, noch Missgunst. Er kann wie gesagt der Funke zur Leidenschaft sein und Weg für den notwendigen Ehrgeiz ebnen, um sein Ziel zu erreichen. Und genauso sollte es auch sein.
Jedoch ist immer wieder indirekt zu bemerken, dass der Erfolg und das Können erfolgreicher Künstler nicht respektiert und geachtet, sondern missbilligt und abgewertet wird.
Frei nach dem Motto „ja bei dem Künstler ja auch kein Wunder der ist einfach unerreichbar, der gewinnt sowieso immer“.
Ist dem wirklich so? Ist er wirklich unerreichbar? Oder ist es nicht eher unsere eigene Angst bzw mangelnde Disziplin den Weg zu beschreiten, Geduld mit sich zu haben, aus Misserfolgen zu lernen, weiter zu machen und sein Ziel steig zu verfolgen und dafür auch mal auf gewisse Dinge zu verzichten, da der Weg nun mal Zeit kostet?

Mein Weg als Beispiel
Wenn ich zurück blicke, habe ich vor 4 Jahren Theresa Täubrichs Steampunk Büste zum ersten Mal gesehen. Es war das erste Mal, dass ich überhaupt so etwas gesehen habe.
Ich selbst stand komplett am Anfang mit Torten und war froh, wenn ich eine Torte mit Fondant glatt eindeckt bekommen habe. Aber ich habe die 3D Torte gesehen und zum ersten mal von Wettbewerben gehört.
Was habe ich gemacht? Ich habe nicht resigniert.
Nein ich habe mir selbst gesagt: Scheiße ist das geil! Und das ist ne Deutsche?! Wenn die das kann, dann kann ich das vielleicht auch. Und daran werde ich ab heute langsam aber stetig arbeiten. Und genau das habe ich getan und tu es noch heute: stetig an mir arbeiten.

Profis und Nichtprofis – Wettbewerbskategorie für „Amateure“?
Was genau definiert denn einen angeblichen Profi?
Ein Profi ist für mich jemand, der sein Hobby zum Hauptberuf gemacht hat und damit Geld verdient. Es definiert aber nicht, wie gut oder schlecht die Person in dem Kunsthandwerk ist. Das hängt von seinem persönlichen Ehrgeiz und einem Schuss Talent ab.
Deshalb ist die Frage nach einer eigenen Kategorie für „Amateure“ nicht nachvollziehbar. Wo genau soll da die Grenze hierfür angesetzt werden? Was genau soll diese Kategorie bezwecken?
Aus diesem Blickwinkel betrachtet wirkt der Wunsch nach einer eigenen Kategorie als ein Weg, Leuten die nicht den Ehrgeiz haben für ein Ziel zu kämpfen und etwas zu investieren, bequemer und einfacher zu machen.
Und ich frage mich: warum das Künstler, die mit Herzblut freiwillig über dem Durchschnitt hinaus an sich arbeiten, permanent im Hintergrund üben, an ihren Techniken feilen, Überstunden machen und auf andere Vergnügen verzichten, hinnehmen sollen?

Vergleich mit Olympischen Spielen
Das, was mit einer gesonderten Kategorie gefordert wird, käme gefühlt einem Versuch meinerseits gleich, zum Olympischen Komitee zu gehen und zu sagen sie mögen doch bitte eine Olympiade für Gelegenheitssportler einführen wie mich, da ich doch auch gern mal eine Medaille gewinnen und meine Nationalhymne hören möchte.
Wenn ich das täte würde mir jeder den Vogel zeigen und sagen: ja da musst du was für tun das geht nur wenn man Leistungssportler ist. Und genau so ist es.
Und warum meint mann, ist der Wettbewerb in der Zuckerkunst etwas anderes?

Haltung zum Wettbewerb
Mein erster und bisher einziger Wettbewerb ist knapp 3 Jahre her. Mein großer Sohn fragte mich neulich, ob ich jemals eine Medaille gewonnen hätte (er bekommt im Skiurlaub beim Abschluss-rennen immer eine Medaille, wie alle Kinder auch. In diesem Zusammenhang kam das Thema auf).
Ich überlegte und verneinte. Er meinte darauf hin: doch hast du, bei deinem Tortenwettbewerb.
Ich stimmte ihm zu, daran hatte ich zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr gedacht.
Mit diesem Dialog möchte ich verdeutlichen:
Was für mich zählt ist hier und heute, die Leidenschaft an der Zuckerkunst. Was ich damals in Esslingen erlebt habe was eine wertvolle Erfahrung mit allen Höhen und vor allem Tiefen. Aber für mich ist diese Auszeichnung eine Momentaufnahme gewesen, die heute nicht mehr wichtig ist.
Warum ich bisher nicht erneut an Wettbewerben teilgenommen habe? Das ist eine persönliche Entscheidung. Wenn ich mich erneut dazu bereit fühle und es auch möchte, wird es durchaus wieder dazu kommen. Sie hat jedoch nichts mit Medaillen und gewinnen zu tun.

Abschließende Worte
Der Schlüssel zum Erfolg sind 3 Buchstaben: TUN. Nicht mehr und nicht weniger.
Der Erfolg und das Talent anderer sollte uns inspirieren und antreiben und nicht blockieren und negativ werden lassen.
Im Gegensatz zum Leistungssport kann beim Tortenwettbewerb jeder mitmachen und sollte es als Chance für sich sehen an sich und seinen Grenzen zu arbeiten. Das ist eine außergewöhnliche Gelegenheit, die in vielen anderen Bereichen nicht besteht um sich weiter zu entwickeln.
Das primäre Ziel sollte nicht sein eine Medaille zu gewinnen, sondern an der Sache Spaß zu haben. Wenn der Spaß ein Ziel und Ehrgeiz als weitere Zutat besitzt, kann uns sollte der Wettbewerb einer der weiteren Schritte sein.

Ich wünsche allen auf ihrem Weg in der Zuckerkunst die nötige Balance, Freude und Leidenschaft ihr Hobby zu lieben und zu leben.
Ich wünsche jedem den nötigen Fokus auf sein eigenes Ziel und den Respekt und die ehrliche Freude für diejenigen, die bereits erfolgreich sind, ohne Missgunst und Neid. Denn sie haben bereits einen langen und anstrengend Weg hinter sich gebracht um da zu sein, wo sie jetzt sind und das sollte man einfach anerkannt werden.

Liebe Grüße
Jennifer Holst

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