laeufig

"Die Sache mit...der Läufigkeit"

Das Gottvertrauen in den Satz „es wird schon nichts passieren“ scheint in die Grundfesten des Unterbewusstseins einiger Halter gemeißelt zu sein. Anders ist dieses Bild, welches sich auf einem meiner letzten Spaziergänge bot, nicht zu erklären:
Eine läufige Hündin, freilaufend in einem von Hunden stark frequentierten Gebiet, 20m entfernt von ihrer Halterin, während diese in ein Gespräch mit einer Freundin vertieft ist.

Ich selbst besitze einen unkastrierten Rüden und bin deshalb nicht direkt von dem Thema betroffen.
Wenn jedoch so eine Hündin bewusst die Nähe meines Hundes aufsucht; ohne Leine und ohne Aufmerksamkeit der Halterin, dann wird es unfreiwillig zu Meinem.

Als Ergebnis standen sich ein überraschter Rüde, der eben noch mit ganz anderen Dingen beschäftigt war, und eine offensichtlich entzückte Hündin gegenüber.
"Ist das ein Rüde?“ plärrt es plötzlich aus der anderen Richtung.
"Ja", ist meine knappe Antwort.
"Sie ist läufig“, schallt es mir entgegen...bitte was?!
Ok...da ist man erst mal sprachlos und wird auf seinem Weg zu den "Verliebten" ziemlich schnell.
In der Zeit hatte sich die Hündin schon mal umgedreht und vor meinem Hund auf den Boden platziert.
Mein Rüde war bis dato noch nicht in solch einer Situation. Vollkommen überfordert mit dem Hormoncocktail, der gerade über seinen Körper hereinbrach, schnupperte er nur vorsichtig und intensiv an ihrem Hinterteil. Zeit genug, um die Hunde anzuleinen und in entgegengesetzte Richtungen zu gehen. Am Wasser angekommen konnte ich ihn kurz ablenken und selbst durchatmen.
Aber der Wunsch der Hündin nachzulaufen, hinterließ einen ziehenden und winselnden 4-beiner an meiner Leine. An Dummyarbeit oder einen entspannten Spaziergang war nicht mehr zu denken.
Bis zum Auto hatte ich ich alle Hände voll zu tun und einen Hund, der kaum ansprechbar war.
Zu nach Hause angekommen gab es einer ausgiebige Ruhephase und er war wieder "ganz der Alte".

Jetzt mag man sich fragen: Warum hast du nicht die beiden Frauen auf den Umstand hingewiesen? Es war sowohl für mich, als auch für meinen Hund das erste Mal und mir war es wichtiger, die nötige Ruhe und Geduld an einen hormonüberschütteten Rüden zu vermitteln, anstatt der Halterin eine Standpauke zu halten.

Grundsätzlich kann solch ein unerwünschtes Aufeinandertreffen passieren. Und in dem Moment sollte man besonnen bleiben und zügig handeln. Denn es ist möglich seinem Hund zu zeigen, dass solche Momente nichts Dramatisches sind und vorüber gehen.
Meiner Meinung nach muss ein Rüde so etwas, bis zu einem gewissen Grad, auch aushalten können.
Wenn ein Halter jedoch bewusst das Risiko eingeht und damit einen anderen Halter und dessen Hund in Bedrängnis bringt, ist das schlichtweg respektlos und frech zugleich.
In der heutigen Zeit, durch Social Media und große Aufklärungsarbeit erwarte ich anscheinend zu viel. Zu viel Wissen und zu viel Voraussicht.
Unter diesen Umständen gehört die Hündin für mich an die Leine.
Ohne Ausnahme.
Warum?
1. Eine läufige riecht für potente Rüden äußerst attraktiv
2. in der fruchtbaren Phase geht die selbst auf die Suche nach potenziellen Partnern
Und letzteres wird anscheinend immer wieder stark unterschätzt.
Letztendlich bin ich froh, dass die Situation glimpflich überstanden wurde und ich Zukunft weiß, wie mein Rüde mit der Situation umgeht.

Lg Jennifer Holst

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