Kollabmüde….klingt komisch, oder?
Aber es ist leider so. Aufgefallen ist es mir bereits Ende 2018. Da dachte ich noch, es wäre nach dem anstrengenden Jahr nur eine Phase. Rückblickend ist es jedoch wesentlich mehr, habe ich 2019 nur an 2 Kollaborationen teilgenommen. Und da auch nur aus Integrität und Liebe zu den Projekten. Ergo musste diese Lustlosigkeit irgendwo her kommen.
Es ist nicht mal ein einzelner Grund sondern eine Summe aus Vielen….

1. Termin /Menge:
Termin passt nicht. Das ist ganz normal und passiert immer mal.
Die Menge an angebotenen Kollaborationen kommt als Faktor hinzu, man kann nicht auf jeder Hochzeit tanzen.

2.  Zeitraum:
Leider ist es immer mehr in Mode gekommen, die Zeiten zwischen Einladung und Abgabetermin zu verkürzen. Das macht es mir oft unmöglich zu planen oder mir qualitativ was Schönes auszudenken.

3. Einladung auf dem letzten Drücker:
Manchmal wird man in eine Kollaboration eingeladen um diese, aufgrund von vielen Absagen, quantitativ aufzufüllen. Damit habe ich kein Problem. Zeitlich ist es aber oft kaum machbar, da die Gruppe bereits in der Umsetzungsphase und/ oder ggf. kurz vor dem Abgabetermin ist. Zudem steigt man in eine bereits geformte und fertige Gruppe ein, in die man gefühlt „rein platzt“.

4. Einladung zu großen Kollaborationen:
Mit der Idee offene Kollaborationen zu hosten (was ich eine großartige Sache finde), ist ein Zwischending entstanden, ich nenne es mal provokant „geschlossene Massenveranstaltungen“.
Die Kollaboration ist geschlossen, aber es werden 100 oder mehr Teilnehmer eingeladen. Einerseits ist das eine wundervolle Sache, lernt man doch so neue Leute kennen. Meine Erfahrung in solchen Gruppen ist jedoch, dass kein Teamgefühl aufkommt und man nicht ausreichend über seine Zusage nachdenkt, sprich das Pflichtgefühl zur Einhaltung ist nicht wirklich da.
Warum? „Wenn ich absage sind doch noch genug andere Teilnehmer vorhanden.“  Ich gebe zu, genauso habe ich bei einigen Kollaborationen gedacht. Erst mal zugesagt und bei der Menge an Künstlern meine Verpflichtung recht locker gesehen. Für mich in Zukunft ein No-Go, denn es ist gegenüber dem Admin nicht ok.

Zudem mag ich seit Anbeginn lieber kleine Kollaborationen, denn die sind oft persönlicher und für mich das Richtige.

5. Engagement und Intention einiger Admin:
Bei immer mehr Admin habe ich das Gefühl, sie springen auf den „Modezug“ auf.
Entweder weil es so viele machen , dann kann es so schwer nicht sein (weit gefehlt). Oder um auch um mal nominiert oder einen Award zu gewinnen (es wird nicht offiziell gesagt, aber man kennt seine Spezis in der Szene).
Darunter leidet dann so ziemlich alles, auch das Teamgefühl und die Stimmung in der Gruppe. Für mich ist es essenziell, dass ich mich in einer Kollaboration wohl fühle und nicht das Gefühl vorherrscht, jeder modelliert schnell für sich sein Zeug runter (kein Austausch in der Gruppe) und man selbst erledigt nur einen Job.

6. Zweiklassengesellschaft /“Resterampe“ und Einschränkungen:
Ja ihr lest richtig:
Mir ist es bereits mehrfach passiert, dass ich in eine Kollaboration eingeladen wurde, in denen Admin und „Stars“ eine Sonderrolle eingenommen und Extrawürste bekommen haben (ich nenne es ganz bewusst so). Diese Admin & Künstler agierten dann allein in der Kollabgruppe und haben sich motivtechnisch die „Rosinen“ raus gepickt.  Ein paar Tage/ Wochen später wurde dann „der Rest“ der Teilnehmer hinzugefügt, der dann auf einer vorgegeben Liste aus übrig gebliebenen Motiven aussuchen durfte ( gefühlt nach dem Motto „friss oder stirb“).
Kann man machen, geht für mich aber komplett am Grundgedanken einer „Zusammenarbeit“ (Übersetzung des Wortes Kollaboration) vorbei und hinterlässt vermutlich nicht nur bei mir einen bitteren Nachgeschmack.

7. Elitäres Getue/ „Wir sind die Elite“
Auch das habe ich erlebt. Eine Kollab, die Seitens des Admin als „wir sind die Besten und die Elite“ gehypt und gehandhabt wurde und diverse Künbstler auf den Zug auch noch aufgesprungen sind. Sowas kann ich leider gar nicht ab. Mit Verlaub: „jeder von uns geht nur zum „k….en“ auf das Klo“. Wenn mir eins nicht liegt ist das elitäres Getue und der Gedanke man wäre etwas Besonderes oder gar Besseres.
Aufgrund dieser Tatsache habe ich auch nach einmaliger Teilnahme ohne ein Wort die Collabgruppe verlassen ungeachtet der Konsequenzen. Solche Menschen möchte ich nicht in meinem Umfeld haben.

8. Einschränkung der Kreativität:
Bei der Masse an Kollaborationen werden die Themen immer spezifischer, um sich von anderen Projekten abzuheben. Leider auf Kosten der Kreativität. Immer mehr werden konkrete Vorgaben in Sachen Motivwahl und Umsetzung gemacht.
Ich habe z.B. eine Kollaboration abgesagt, in der es hieß:
Hier ist die Liste/ sind die Bilder der Motive, bitte nur Büsten, mindestens xy cm groß, bitte nur vor xy Hintergrund fotografieren etc etc.
Für mich ist eine Kollaboration dazu da unterschiedlichste Techniken, Künstler und Ausdrucksweisen zu zeigen. Sei es Büsten, Figuren, Torten, Isomalt, Icing, Cookies usw. Das macht für mich die Vielfalt einer Kollaboration aus. Ich liebe Kollaborationen, aber keinen Einheitsbrei.

9. Fragwürdiges Verhalten der Teilnehmer:
Man sollte meinen, dass alle in einer Kollaboration die Regeln gelesen und mit der Zustimmung zu dem Projekt auch eine gewisse, wenn auch zeitlich begrenzte, Integrität an den Tag legen.
Leider scheren immer wieder Künstler aus und gehen eigene Wege. Das äußert sich auf verschiedenste Weise:
1. Da werden immer wieder Sonderlocken in Sachen Terminabgabe und Zuverlässigkeit akzeptiert, während andere Künstler fristgerecht und absolut zuverlässig liefern (sind oft leider immer wieder die gleichen Pappenheimer).
2. Es werden Bilder von Zwischenschritten des eigenen Werkes öffentlich gezeigt, obwohl dies laut Regeln nicht erlaubt ist.
3. Es werden in der Kollabgruppe gepostete Inspirationen für eigene Zwecke verwendet. Grundsätzlich ok, wenn die Kollaboration online ist und damit abgeschlossen.
Während diese aber noch läuft und ggf. auch noch jemand aus der Gruppe eben das Motiv für die Kollaboration umsetzt, ist das alles andere als kollegial und lustig.
Leider habe ich solche und andere Regelverstöße schon mehrere Male erleben müssen und als Co Admin mit meinem Team auch schon Leute aus der Kollaboration entfernt, sei es ein bekannter Künstler oder nicht.
Alles Punkte, die mir den Spaß an solchen Projekten zusätzlich genommen haben, nicht nur als Teilnehmer.

10. Copy & Paste:
Ich gebe zu, ich lasse mich im Netz gern inspirieren und habe in der Vergangenheit einiges nur kopiert.
Viele Kollaborationen sind inzwischen thematisch so aufgebaut, dass man sich ein Motiv / Bild aussucht und es nachmacht. Ich nenne das Copy & Paste. Grundsätzlich eine großartige Sache, gerade wenn einem diese Form der Arbeit liegt. In den letzten Jahren war genau das mein Ding und es hat großen Spaß gemacht. Und wenn mir das Thema liegt werde ich es mit Begeisterung jederzeit wieder tun.
Aber in Zukunft möchte ich mehr eigene Ideen umsetzen oder kreativ „gefordert“ werden.

11. Benefit:
Machen wir uns nichts vor: wir erhoffen uns als Teilnehmer auch einen Benefit von der Teilnahme. Zuerst ist da das positive Feedback nach der Veröffentlichung und dann die Hoffnung, dadurch Aufmerksamkeit für einen selbst als Künstler zu gewinnen (Follower der eigenen Seite, neue Einladungen zu anderen Kollaborationen etc.)
War mir das bis vor einigen Monaten noch wichtig, so ist es heute nicht mehr so.
Vor gut 2 Jahren gab es eine Kollaboration, die ein Jahr zuvor so erfolgreich war, dass sie bei der Flut von Bewerbungen für die zweite Auflage, ein öffentliches Voting startete. Auch ich habe damals mitgemacht und dank der Unterstützung vieler im Netz einen Platz in der Kollaboration ergattert. Damals war es großartig und ich hatte mich gefreut. Aus heutiger Sicht ist es eine Sache, die ich so nicht mehr machen würde.

12. Hetze von einem Termin zum anderen:
Und zuletzt bin ich unmotiviert, weil ich durch die Deadlines von einem Termin zu anderen hetze. Nach 2017 hatte ich das Gefühl, nur noch zuzuarbeiten und nichts Eigenes zu machen. Es gibt Künstler die kommen mit diesen Terminen klar und können zügig hintereinander ihre Projekte abarbeiten. Ich gehöre leider nicht dazu. Für mich ist jedes neue Projekt eine zeitliche Herausforderung.

Und einen weiteren Grund sagte eine Freundin letztens wieder:“ Wenn du das Motiv oder Thema unbedingt machen willst kannst du es doch irgendwann für dich außerhalb der Kollab modellieren. Dafür musst du nicht mitmachen.“ Stimmt….muss ich wirklich mitmachen? Und wenn ja warum? Oft war der Grund „um dabei zu sein“.
Wenn die Antwort JA ist dann werde teilnehmen, das ist vollkommen ok und macht Spaß.
Zu oft war die Antwort bei mir in der letzten Zeit jedoch NEIN….Zeit sich den eigenen Ideen zu widmen….

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